Trollkyrkja

30.08.2014

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Auf das Tal Isterdalen folgt unmittelbar die Stadt Ã…ndalsnes, die mit diversen Routenvorschlägen für alle Schwierigkeitsgrade zum Wandern einlädt. Mit den vielen Gipfeln, die sich rundum den Romsdalsfjord erblicken lassen, gefällt es uns hier besser als am Geirangerfjord.

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Diese Aussicht wollen wir von oben genießen und erkundigen uns bei der Touristeninformation am Bahnhof nach einer am fortgeschrittenen Nachmittag machmaren Tour. Der Bahnbeamte schüttelt erst ratlos den Kopf, dann führt er uns aus dem Gebäude und zeigt auf den nächsten Berg, den Nesaksla.

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Seine Empfehlung ist goldwert. Wir parken in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum und klettern auf dem Romsdalseggen Wanderweg, der eigentlich zu einer größeren Tour gehört, den Berg hinauf. Nach einer Stunde ist das Ziel erreicht, auf das der Bahnbeamte gezeigt hat: die Romsdalstrappa, ein kleiner, vom Felsrand abstehender Steg. Jemand hat eine Kette mit bunten Wimpeln von der Spitze des Stegs zu einer Bergkrone aufgehängt. Darauf finden wir Schriftzeichen in einem umbekannten Zeichensatz.

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Die wenigen Meter zum Gipfel gönnen wir uns schließlich auch noch, um das Rundumpanorama des Romsdalsfjords zu genießen.

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Beim Abstieg begegnen uns einige flotte Jogger, die den steilen Aufstieg als abendliche Joggingstrecke nutzen. Selbst nach unseren letzten "Trainingswanderungen" Trolltunga, Bessegen etc. beeindruckt uns deren Tempo. An Sportmöglichkeiten mangelt es in Norwegen nicht.

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In einem Prospekt haben wir von der Trollkyrka gelesen, die aus drei Kalkgrotten mit unterirdischen Bächen und Wasserfällen besteht. Spätestens die Tatsache, dass Gummistiefel und Taschenlampen zur Expedition empfohlen werden, macht die Sache für Höhlenforscherin Lisa spannend. Wanderschuhe und Handyleuchte erfüllen die Anforderungen genauso.

Da wir sonst keine Werbung für die Trollkyrka gesehen haben und uns die in fünf Zeilen beschriebene Tour nur zufällig in's Auge gesprungen ist, gehen wir davon aus, die ziemlich einzigen Besucher der Trollkirche zu sein. Denkste! Der zwischen Malmefjorden und Eide gelegene Parkplatz ist fast voll. Auf dem wie gewohnt steinigen Weg an einem Bach entlang treffen wir auf einige mit Stirnlampen ausgestattete Gelegenheitswanderer und ein paar Familien mit Kindern.

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Nach eineinhalb Stunden Wanderung sehen wir den Bach aus einem großen Felsloch entspringen. Ein eiskalter Wind weht aus dem Loch entgegen. Über spitzes Geröll klettern wir hinein und finden uns in einer geräumigen Grotte wieder. Ein Gang, an dessen Rand der Bach entlangrauscht, führt weiter in die Dunkelheit hinein. Eine Stirnlampe wäre jetzt sehr nützlich, um den steinigen Weg zu beleuchten, die Decke erblicken zu können und gleichzeitig die Hände frei zum Klettern zu haben.

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Lautes Getöse eines Wasserfalls überdeckt das Rauschen immer mehr, als wir uns Engstelle für Engstelle vorankämpfen. Nach einer Ecke erblicken wir durch zwei Öffnungen in der Felswand die Quelle des Getöses. Vielleicht zehn Meter über uns fällt ein Strahl Wasser aus einer anderen Höhle herab und sammelt sich in einem Pool. Das hellblaue Schillern lässt es irgendwie magisch wirken.

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Gerade als wir das Fotoequipment auspacken, kommen drei Taschenlampenkegel mit Wanderer und nehmen den Pool ein. Unter lauthalsem Geschnatter zieht einer Schuhe und T-Shirt aus und steigt in den eiskalten Pool. Da es in der Höhle schon bitter kalt ist, ziehen wir uns erstmal durch eine kleine Felsspalte nach draußen zurück.

Nach zwei weiteren Anläufen ergibt sich endlich der Moment, an dem keine anderen Personen das Bild durch Taschenlampenleuchten zerstören.

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Eine steile Leiter mit Fallschutz, der sich im Rucksack verhängt, führt in die zweite Höhle. Aus der Wand schießt das Wasser hervor, das von hier in die untere Hölle herunterfällt. Die Härte des Strahls hat mittlerweise blitzweiße Kuhlen im Kalkstein geformt. Nichtsdestotrotz hat uns der erste Wasserfall besser gefallen.
Nach der dritten Höhle suchen wir vergeblich. Nachdem zwei rastende Einheimische auch nichts von einer dritten Höhle wissen, trollen wir uns wieder.

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