Oslo

03.09.2014

[556] Schmetterling im Vigeland Park

Einen Campingplatz in Oslo zu finden sollte eigentlich ein leichtes sein. Nachdem man ein Dutzend Bewertungen durchgelesen hat, von denen eine abschreckender als die andere klingt, fällt die Entscheidung schwer.
Schließlich geben wir Bogstad Camping eine Chance. Die Anlage liegt nahe am Holmenkolmen und damit etwas außerhalb. Die Buslinie 32 verkehrt von der Haltestelle vor der Rezeption bis in's Stadtzentrum. Der Camingplatz ist so groß, dass man innerhalb einen eigenen Bus bräuchte.

[579] Bogstadvannet See auf dem Holmenkollen

Obwohl wir jeden Tag die Unterschrift der Putzfrau auf der Kontrollliste finden, sind die Sanitäranlagen nicht geputzt. Für 260 NOK (ca. 32€) am Tag unser teuerster Campingplatz in Norwegen.
Zu unserem Glück sind in diesen Tagen die Kapazitäten nicht ausgereizt. In der Hauptsaison muss man sich hier wie in einer riesigen Kloake vorkommen.

Als Ersatz für die Busfahrkarte wollen wir uns den Oslo Pass für 48h zulegen. Da es den Studentenrabatt nur an der Touristeninformation im Stadtzentrum gibt, gehen wir zunächst mit dem Auto auf Erkundungstour.

Neben der kostenlosen Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel umfasst der Pass freien Eintritt in bestimmte Museen. Davon bietet Oslo viele mit vor allem historischen und künstlerischen Inhalt.

Dummerweise haben die Museen in der Innenstadt montags geschlossen. Immerhin haben die nahe beiander liegenden Museen auf der Halbinsel Bygdøy geöffnet. Auf dem Weg dorthin entdecken wir Kühe auf einer Wiese grasen - mitten in Oslo! Wenige Meter später stellt sich heraus, dass die Weide zur von Wachsoldaten geschützten Royal Farm gehört.

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Erste Haltestelle: Vikingskipshuset. Drei ausgegrabene Wikingerschiffe aus Eichenholz stehen zum Entern bereit. Die Schiffe dienten im neunten Jahrhundert als Grabstätten für Wikingerhäuptlinge oder deren Frauen. Die Grabschätze hat leider jemand vor uns geplündert.

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Zweite Haltestelle: Norsk Folkemuseum. Ähnlich zu Gamle Bergen und Maihaugen zeigt dieses Freilichtmuseum Bauernhäuser und Stadtwohnungen Norwegens früher und heute.

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In einem dreistöckigen Reihenhaus ist jede Wohnung aus einer anderen Zeit nachgestellt. Während im Erdgeschoss eine Malerei und eine Werkstatt mit vielen Einzelteilen ins Auge fallen, findet sich im ersten Stock eine kitschige Wohnung einer reichen Familie zu Beginn des 20. Jahrhunderts und im zweiten Stock stilvoll eingerichte Zimmer aus den 60er Jahren. Wir fragen uns, ob unsere Zimmer in 5-10 Jahren ebenfalls museumsreif seien werden.
Übrigens finden wir die Telefonzelle aus Maihaugen in der Osloer Innenstadt voll benutzbar wieder.

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Als drittes werfen wir einen Blick in das dreiecksprismaförmige Frammuseum. Die Fram ist ein speziell für Expeditionen im Polarmeer ausgestattetes Schiff, das beim Einfrieren im Eis nicht zu Bruch geht. Hochlobend werden die Errungenschaften der norwegischen Forscher dargestellt.
Wie schon in Bergen schließen die Museen früh um 17 Uhr.

[566] Ist das die Französische Botschaft in Oslo, getarnt als Toilettenhäuschen?

Heute ist unser Nobeltag. Das Auto haben wir in der Nobel's Gate geparkt, haben Campingplatz und Oslo Pass gezahlt und gehen ein einziges Mal in Norwegen Essen. Die etwas zu klein geratene Pizza Magherita im Vapiano schmeckt köstlich und ist für 115 NOK noch günstiger als die Vorspeisen in anderen Restaurants - selbst mit Rabattcoupon.

[567] Innenausstattung des Neuen Opernhauses

Bisher haben wir (abgesehen von einem unpassenden Turm irgendwo im Nirgendwo) noch kein Hochhaus in ganz Norwegen entdeckt. Am Hafen blicken einige halbhohe Bürogebäude mit großen Fenstern auf den Oslofjord hinab - garantiert keine günstige Gegend. Die vielen Kräne und Baustellen deuten auf weitere Bauvorhaben hin.

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Ein seltenes Beispiel für ein Bauprojekt, das vor dem Fertigstellungstermin eröffnet werden konnte, ist das Neue Opernhaus. Wegen der zügigen Bauarbeiten konnte die erste Aufführung im April 2008 und damit fünf Monate früher als geplant über die Bühne gehen.

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Die Fassade des einem treibenden Eisberg nachempfundenen Bauwerks besteht zu 90 Prozent aus weißem italienischem Marmor und zu zehn Prozent aus norwegischem Granit. Bereits vor der Eröffnung sorgte der Marmor für Kritik, als sich einige Platten gelblich verfärbten.

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Am nächsten Tag darf das Auto am Campingplatz entspannen, während wir im Nobels Fredssenter Alfred Nobel, die Friedensnobelpreisträger und deren Arbeit begutachten. Anstatt herkömmlicher Informationstafeln wird der Besucher interaktiv durch social media miteingebunden. Betrachtet man die laut Museum für die Friedenserhaltung herausragende Rolle von Internet und social media, ist deren Einsatz bestimmt kein Zufall.

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Nebenbei erfahren wir, dass (relativ zur Einwohnerzahl) mehr Norweger bei Facebook aktiv sind als irgendeine andere Nation. Acht von zehn Norwegern zwischen 18 und 29, sechs von zehn zwischen 45 und 59 sowie sechs von 10 über 60 sind bei Facebook registriert.

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Unsere Tour geht weiter durch die Festung Akerhus und zum architektonisch herausragenden Astrup Fearnley Museet, das internationale Gegenwartskunst ausstellt.

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Am Royal Palace kommt uns ein Autokorso aus schwarzen Limosinen in Polizeibegleitung entgegen. Da die Fußball-WM schon vorbei ist, muss wohl gerade die königliche Familie unterwegs sein.
Oben am Schloss stehen zwei steif und sehr ernst blickende Wachposten der königlichen Garde.

Ein paar Straßenkreuzungen weiter im Schatten des Hauptbahnhofs verändert sich das kompett. Wir sind jetzt im arabischen Viertel Grønland. Die Häuser sind bunter und insgesamt ist alles farbenroher aber auch etwas heruntergekommen. Die Läden werben mit bunt bestickten Stoffen für die arabischen Kleider und bogenförmige Durchgänge schmücken die Eingänge zu den Lebensmittelgeschäften.

Ein Vorteil dieses interkulturellen Erlebnisses sind die günstigen Preise und das exotische Obst, was man vermutlich beides an keinen anderen Ort Norwegens so finden wird. Für nichtmal 10€ sind unsere Vorräte für die nächsten Mahlzeiten wieder aufgefüllt. Mit ein paar Datteln als Wegzehrung schlendern wir durch die Gassen und lassen die Eindrücke dieser kleinen anderen Welt auf uns wirken.



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Bevor wir Oslo verlassen müssen, bleibt am Mittwochmorgen Zeit für eine letzte Attraktion: die Skisprungschanze am Holmenkollen. Wer das älteste Skimuseum der Welt überstanden hat, kann mit dem Aufzug auf den Sprungturm hinauffahren. Von oben genießen wir den abenteuerlichen Blick eines Skispringers hinab in's Stadion und das 360° Panorama von Oslo.

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Entlang des Stadions führt eine asphaltierte Rennbahn, auf der muskulöse Gestalten mit langgezogenen Skaterschuhen ihre Runden drehen. Lautes Knallen ertönt, als einer am Schießstand sein Training für die Wintersaison beginnt.

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Wer unbedingt das Adrenalin eines Skispringers auf der Holmenkollenschanze spüren möchte, aber nicht auf dem sportlichen Weg zu einem Wettkampf auf den Turm eingeladen wird, kann für 590 NOK mit der Zipline von der Startposition bis auf die gegenüberliegende Seite des Stadions fliegen.

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