Blue Pools, Fox und Franz Josef

09.03.2015

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Glasklare Fontänen hellblauen Wassers spritzen empor, als die vier kühnen Jungs in das bitterkalte Wasser eintauchen. Die App CamperMate habe ihnen die Hängebrücke über den Blue Pools als Sprungplatz empfohlen, erzählt einer nach dem ersten Sprung. So etwas hätten sie zuvor aber noch nicht gemacht.

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Ein kurzer Schotterweg führt durch den Buchenwald zu der Hängebrücke über dem Makarora River. Über Jahrhunderte hinweg hat das azurblaue Gletscherwasser an den Ausbuchtungen in den Felswänden gearbeitet und die Blue Pools geformt. Nur wenige Meter entfernt in einem Flussbett aus sich sonnenden Kieselsteinen fließt das azurblaue Wasser mit dem Blue River zusammen.

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Auf der Weiterfahrt passieren wir den Ausgangspunkt für die kurze Wanderung zum Haast Pass Lookout. Da der Parkplatz prall gefüllt ist, schließen wir, dass der Aussichtspunkt sehenswert sein muss, und halten spontan an. Nach einem kurzen, steilen Aufstieg gelangen wir zu einer Bank und ein paar Infoschildern, die den Aussichtspunkt markieren. Vielleicht liegt es daran, dass wir von tollen Landschaften mittlerweile verwöhnt sind. Jedenfalls ist der Blick über die Bäume unter uns und die bewaldeten Hänge nicht besonders spektakulär. Beim Abstieg findet sich die Ursache für den verstopften Parkplatz. Eine vielköpfige Crew folgt den vorsichtigen Bewegungen eines mit Sonnenhut und Jeansjacke gekleideten Indiana Jones mit der Filmkamera. "Dreh dich nach rechts, beug dich über den Farn vor dir und blicke durch die Kamera", schallt die tiefe Stimme des asiatischen Regisseurs durch den Wald. Was unschwer zu erkennen ist, bestätigt uns ein Mitglied der Filmcrew in Flüsterlautstarke: hier ist gerade einer neuer Werbespot für Canon im Dreh. Welche Gegenden der Regisseur für weitere Szenen ausgewählt hat, werden wir in drei Monaten auf YouTube erfahren.

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Einige Kilometer weiter nördlich stranden wir an der Bruce Bay, angeblich einer der zehn beliebtesten Strände Neuseelands. Über der Straße trübt die Gischt der tosenden Wellen die Sicht. Nach dem kurzen Stopp sind die Lippen mit salzigem Geschmack befeuchtet und die Hände kleben vom Meerwasser.

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Nachdem wir die gesamte Strecke an der West Coast bis jetzt keinen Empfang hatten, zeigt das Handy plötzlich volle Signalstärke an, als wir das gleichnamige Städtchen am Fox Glacier erreichen. Auf den ersten Blick sind wir auf dem Volksfest gelandet. Auf beiden Straßenseiten werben Reklameschilder und bunte Gegenstände an den Häusern für Helikopterflüge, Motels und alles, was Touristen noch interessieren könnte. Zur Ostseite ist das Städtchen wie der gesamte Küstenabschnitt durch die hohen Berge der Southern Alps abgeschirmt, an denen sich die vom Meer anfliegenden Wolken stauen. Von einem Gletscher ist hinter der Wolkenwand nichts zu erkennen.

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Im Kontrast zu den beängstigenden Wolken im Osten kündigt sich im Westen ein wunderschöner Sonnenuntergang an. Die Vorbereitungen für das Abendessen müssen liegen gelassen werden, denn wir wollen die letzten Lichtstrahlen am nahe gelegenen Lake Matheson einfangen. Den Spaziergang um den See nehmen wir im Eiltempo, aber zwischen den Bäumen dämmert es bereits.

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Bei der Rückkunft wird spontan auf Hawaiitoast umdisponiert, aber leider ist der Backofen der Küche auf dem Campingplatz defekt. Mit der Hilfe eines findigen Hobbykochs backen die Brötchen schließlich auf dem Gasgrill.

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Auch am nächsten Morgen versperrt die Wolkenwand den Blick vom Campingplatz zum kalten Namensgeber. Als wir über die Glacier Access Road ein Stück in die Berge hineinfahren, zeigt sich dahinter der Gletscher unter strahlend blauem Himmel. Einige Meter vor dem Parkplatz weiß ein Schild an der Straße zu erzählen, dass sich der Gletscher vor zweihundert Jahren noch bis hierhin erstreckte.

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Vom Parkplatz wandern wir auf steinigem Untergrund bis zum Aussichtspunkt weiter in das Tal hinein. Von den Berghängen schallen die Rotorengeräusche der Helikopter wider, welche die Teilnehmer der Gletschertour auf dem Eis absetzen. Da der Gletscher vom Boden nicht begehbar ist, beinhaltet jede geführte Wanderung auf dem Gletscher den Transport mit dem Helikopter. Möglicherweise ist das der Grund für die überteuerten Preise für eine Gletscherwanderung ($325 pro Person).

Nur 30km nördlich des Fox Glacier chillt Gletscherbruder Franz Josef zwischen den Bergenhängen. Seinen Namen verdankt Franz Josef übrigens dem deutschen Entdecker Julius von Haast, der den Gletscher nach dem österreichischen Kaiser benannte. Wegen anhaltender Regenfälle verzichten wir diesmal auf die Wanderung zum Aussichtspunkt.

Oftmals sind es nicht die Ziele mit den großen Namen, die uns am meisten beeindrucken, wie sich am gleichen Abend in dem kleinen Städtchen Hokitika wieder herausstellt.

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Almuth
19.03.2015
Das Wasser im Fluss schaut echt glasklar aus. Glaube schon dass es Spass macht darin zu baden, wie die Jungs, mir wärs aber sicherlich zu kalt ;)