Oparara Basin

12.03.2015

Die Flöte scheint wie für diesen Ort gefertigt worden zu sein. Ihre weichen Töne reflektieren an den Wänden der Höhle, das Rauschen des Flusses untermalt ihre Laute. Die Akustik ist gigantisch. Das Flussbecken, die weit aufragende Höhlenöffnung mit ihrer mystischen Atmosphäre und die Klänge, die dieser Ort produziert, sind Inspiration genug für den Flötenspieler. Eigentlich sei er eher schüchtern, gesteht Loic, aber er liebe Höhlen und die Umgebung gebe ihm die Sicherheit und die Inspiration, um seiner mitgebrachten Flöte diese wunderschönen Töne zu entlocken. Bevor er mit dem improvisierten Stück beginnt, steht er still da und lässt alle Eindrücke der Umgebung auf sich wirken. Als er beginnt, schmiegen sich seine Laute sanft in die natürlichen Töne des Ortes an.

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Bereits vor dem Erreichen der Höhle war das Spielen der Flöte, Trommeln und Gesang zu hören. Gibt es hier noch Naturvölker, die Rituale zelebrieren? Das war unser erster Erklärungsansatz. Unwahrscheinlich, aber wie kommt Musik an einen so entfernten, einsamen Ort wie hier?

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Wir befinden uns unter dem Moria Gate Arch im Kahurangi Nationalpark. Der Name des Bogens wurde übrigens wie viele weitere Objekte in der Umgebung von den Herr der Ringe Filmen inspiriert. Das Wasser des Flusses, an dem wir entlang laufen, ist goldgelb bis rot. Je nachdem, aus welchem Blickwinkel man es betrachtet. ändert es seinen Farbton. Dass wir uns am äußersten Ende der Zivilisation befinden, war schon bei der Anfahrt festzustellen. Der geschotterte Weg, den man bis hier her fahren muss, ist so gespickt mit Schlaglöchern, dass die Straße wirklich grenzlastig für den normalen Verkehr erscheint. Wie es manche Urlauber mit dem Wohnmobil hierher schaffen, ist uns ein Rätsel. Neben den gierigen Stechmücken bevölkern auch vom Aussterben bedrohte Tierarten den Nationalpark, was das Departement of Conservation dazu veranlasst hat, Giftköder für Tiere wie Ratten auszulegen, die Seuchen einschleppen könnten. Etwas fragwürdig ist das Unterfangen schon, denn das Gift wirkt genauso bei Hunden und ist durch seine bunte Farbe auch für Kinder sehr gefährlich.

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Im Gegensatz zum ausgelegten Gift ist das farbenfrohe Wasser nicht giftig. Die Farbe entsteht durch Tannine, pflanzliche Farbstoffe, die von der umgebenen Pflanzenwelt abgegeben werden. Der Farbstoff befindet sich im verwesenden Laub, von wo aus er ins Wasser geleitet wird.

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Über dem Becken des Flusses befindet sich der Moria Gate Arch. Wie ein riesiger Höhleneingang baut er sich vor dem Wasser auf. Zuerst überqueren wir den Bogen des Arch auf der Oberseite, um anschließend durch einen kleinen Eingang in die Höhle zu gelangen. Und da sind sie wieder, die Töne, die wir bereits auf dem Hinweg vernommen hatten. Eine Gruppe junger Erwachsener macht mit mitgebrachten Instrumenten Musik im Flussbecken unter der Höhlenöffnung. Jemand trommelt, ein paar andere singen und eine Flöte setzt mit einer improvisierten Melodie liebliche Akzente. Die großen Rucksäcke der Musikanten deuten darauf hin, dass sie hier übernachtet haben. Alle sind sehr alternativ und naturgebunden gekleidet, man könnte sie als moderne Hippis bezeichnen. Wir fragen den Flötenspieler, ob wir seine Klänge auf einen Film aufnehmen können, und er erklärt sich einverstanden. Am Kopf trägt er einen selbst gewickelten Turban. Die weiten Hosen untermalen seine Erscheinung. Gebannt lauschen wir seinen Lauten und unterhalten uns danach noch kurz. Loic stammt eigentlich aus Frankreich, bereist aber seit zweieinhalb Jahren inzwischen Neuseeland und Australien, die Flöte ist natürlich immer dabei.

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Unweit vom Moria Gate Arch schwebt der Oparara Arch über dem Oparara River. Doch dieser Steinbogen will erst gesucht werden. Nicht, weil er so versteckt liegt, sondern weil er so hoch ist, dass man zuerst gar nicht so weit nach oben blickt.

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Auch der Wanderweg zu den Arches hält einige Blickfänge bereit. Wie jeder Neuseelandurlauber sicherlich feststellt, ist der Farn eine der weitverbreitetsten Pflanzen des Inselstaats. Aber wie fotografiert man einen Farn? Die Farne hier wachsen als Bäume und werden nicht nur extrem breit, sondern auch extrem hoch. Gut, dass wir unseren speziell für Farne entwickelten Selfie-Stab dabei haben.

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Bis wir den Parkplatz mit dem rettenden Innenraum des Autos erreichen, haben uns die herumschwirrenden Fliegen fast aufgegessen. So schön das relativ feuchte Naturschutzgebiet erscheint, genauso gefällt den Mücken die Umgebung ausgesprochen gut. Von Beginn an sind wir das 3-Gänge-Menü auf ihrer Speisekarte. Mit 21 juckenden Andenken an einem Fußknöchel erzielt Lisa die Tagesbestmarke.

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Als wir spät am Abend unser Zelt auf einem Campingplatz bei Lyell aufschlagen, erwartet uns ein zauberhafter Sternenhimmel. Auch wenn man beinahe jeden Tag einige Sterne und Planeten am Nachthimmel entdecken kann, gibt es dieses ungetrübte Firmanent nur selten zu sehen. Nur wenige Minuten später ziehen wieder Wolken auf und verhüllen das leuchtende Band der Milchstraße.

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Andrea
20.03.2015
So kreativ mit dem Fotografieren muss ich auch gerade sein, um meine geputzten Zimmer ohne mein Superweitwinkel ins rechte Licht zu rücken. Wir warten auf die Sofi.... Die Lichtverhältnisse fühlen sich gerade merkwürdig an.