Bay of Islands

26.03.2015

Nach einer Übernachtung auf der Durchfahrt durch Auckland nehmen wir Kurs auf die Region Northland. Auf der Suche nach Glowworms besuchen wir die Waipu Cave. Ohne groß nachzudenken parken wir beim Waipu Caves Track, der uns durch einen Wald hinauf auf eine Hügelkette führt. Überall liegt Gestein herum, dessen Form an Grabsteine erinnert. Immer weiter einem ausgefahrenen Weg folgend landen wir nach eineinhalb Stunden auf einer Kuhweide, von Höhlen keine Spur. Auch die Kühe reagieren erschreckt beim Anblick der fremdländischen Besucher. Als wir schließlich umdrehen, stellt sich heraus, dass das Gatter an der Kuhweide das Ende des Tracks markieren sollte und sich die Höhle gleich neben dem Parkplatz befindet.

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Der Eingangsbereich der Höhle ist abenteuerlich. Gewaltige Stalaktiten ragen von der Decke hinunter bis fast zum Boden. Ein schwarzer See bedeckt den Boden der Höhle. Auf handballgroßen Steinen muss man über den See balancieren, um tiefer in die Höhle zu gelangen. Nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt haben, sind die leuchtenden Punkte einzelner Pilzmückenlarven zu erkennen. Im Gegensatz zur Glowworm Dell in Hokitika gibt es in der Höhle natürlich keinen Zaun, sodass man die eigenartigen Geschöpfe im Detail studieren kann. Aus der Nähe und bei Licht betrachtet entpuppt sich das hellblaue Leuchten als Mittelpunkt eines eckligen Wurms. Oft hängen spindeldürre Fäden neben den Würmern von der Decke herab. Leider ist das Leuchten der Glowworms so schwach, dass man es selbst bei offener Blende, 30 s Verschlusszeit und hoher ISO kaum erkennen kann.

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Eigentlich sollte das Ziel der nördlichste Punkt der Nordinsel werden, der Leuchtturm am Cape Reinga. Jedoch entscheiden wir uns dafür die dreistündige Fahrt (einfach) wegen eines Leuchtturms wegzulassen und stattdessen zwei Tage auf dem Holiday Park in Waitangi an der Bay of Islands zu bleiben. Eigentlich haben wir ein Doppelzimmer im angelegenen Motel gebucht, doch da mit dem Herbst die Nachsaison angebrochen ist, werden wir für beide Nächte auf eine geräumige Kabine mit eigenem Kühlschrank und fünf Betten upgegradet.

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Warum der Küstenabschnitt Bay of Islands seinen Namen verdient hat, erfährt man erst bei einer Schifffahrt zwischen den vielen kleinen und manchen größeren Inseln. Auf einem schnellen Wassertaxi setzen wir am Vormittag auf Urupukapuka Island über, die größte Insel in der Bay of Islands. Die Otehei Bay auf Urupukapuka Island ist mit einem Café und dem Fähranleger besiedelt, der Rest der Insel besteht aus grüner Schafweide, paradiesischen Stränden und Buschland. Die Fährüberfahrt scheint es erst seit kurzer Zeit zu geben und noch recht unbekannt zu sein. Nachdem das große Boot mit der Tagestour zu Cape Brett und dem berühmten Hole in the Rock seine Passagiere von der Mittagspause auf der großen Insel eingesammelt hat, sind praktisch nur die wenigen Mitfahrer der Fähre auf der Insel.

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Plötzlich wird einem die Lautstärke der üppigen Vogelwelt bewusst. Das Departement of Conservation hat ein Programm zur Aussetzung einiger existenzbedrohter Vögel am Laufen. Da diese Vögel am Boden brüten, wurden in den letzten Jahren Ratten auf der Insel ausgerottet.

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Auf ausgetretenen Wanderwegen folgen wir der Küstenlinie gegen den Uhrzeigersinn bis zum anderen Ende der Insel. Leider sind die Wege nicht eindeutig identifizierbar, sodass wir am Ende die Abkürzung zurück zum Fähranleger nicht finden und uns auf dem gleichen Pfad wie auf dem Hinweg eilig zurückkämpfen müssen, um die Fähre rechtzeitig zu erwischen. Zum Glück ist die Insel doch kleiner als erwartet und ohne Fotostopp kommt man deutlich schneller voran als geplant. Urupukapuka Island - ein preiswerter Geheimtipp, der in wenigen Jahren bestimmt stark an Bekanntheit gewinnen wird.

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Vor unserem Aufbrauch zur Otehei Bay heute morgen ist ein hölzernes Kanu unter den anfeuernden Rufen eines halbnackten Mannnes auf dem Inlet direkt neben unserer Kabine durch das Wasser geglitten. Dass der ungewöhnliche Anblick keine schlaftrunkene Einbildung war, wird gewiss, als wir am gleichen Abend das verzierte Kanu vertäut wiederfinden.

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Möglicherweise gehört das historische Boot zu den Waitangi Treaty Grounds, einem Museum rundum den Vertrag zwischen Maori und Großbritannien. Wir besuchen die Gedenkstätte der Maori am nächsten Tag. Bei einer geführter Tour über das Gelände gibt sich Maori John keine Blöße und erklärt alles, was seine aus vier Personen bestehende Gruppe wissen möchte. Im Vergleich zu den Aborigines in Australien leben die Maori vollständig in die Gesellschaft integriert. Ca. 15% der Einwohner Neuseelands gehören dieser Ethnie an. Unabhängig vom Blut der Vorfahren kann jeder Maori sein, der sich mit der Kultur der Maori identifiziert. [984]

Die ersten der von polynesischen Inseln stammenden Einwanderer kamen vermutlich im 13. Jahrhundert auf der Nordinsel an. Die Europäischen Einwanderer folgten ungefähr 300 Jahre später nach den Entdeckungen des niederländischen Seefahrers Abel Tasman und dem britischen James Cook.

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Der Vertrag von Waitangi 1840 zwischen den Stämmen der Maori und der britischen Krone sollte den Maori die Rechte und Pflichten eines britischen Bürgers anerkennen. Jedoch gab es ein Missverständnis in der Übersetzung des Vertrags von Englisch auf Maori, wonach die Maori ihre Souveränität an England abgeben sollten. So eine Klausel hätte natürlich kein Stammeshäuptling eines kriegerischen Volkes unterschrieben. Da viele Häuptlinge des Schreibens nicht mächtig waren, unterzeichneten sie durch Skizze eines ihrer Gesichtstattoos, z.B. einem Kringel oder einer Schnecke. Die tattoowierten Markierungen im Gesicht eines Maori erzählen seine Lebensgeschichte.

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Neben der geführten Tour haben wir die Cultural Performance gebucht. Eine halbe Stunden lang führen fünf kostümierte Damen und drei Herren die Kultur der Maori vor. Nach einem verschreckenden Begrüßungsritual dürfen die Zuschauer die heilige Versammlungshalle betreten, deren Wände, Stützbalken und Decke mit Schnitzereien versehen sind. Es werden Haka getanzt und emphatische Lieder vorgetragen und die hölzernen Kriegswaffen, Angriffs- und Abwehrbewegungen vorgeführt. Mit den wenigen anderen Zuschauern genießen wir die Vorstellung in vollen Zügen und vergessen beinahe, dass es sich bei den vorgetragenen Haka nur um einen Schautanz und nicht um ein historisches Ritual handelt. Im Anschluss bitten wir zwei der gefährlich verstörenden Krieger mit uns das Zungeblecken zu üben.

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Für zwei Wasserfälle wagen wir uns ein paar weitere Kilometer in den Norden. Warum die Haruru ("große Nase") Falls diesen Namen bekommen haben, mag uns der hufeisenförmige Wasserfall nicht verraten. Maori Legenden zufolge lebt das Ungeheuer Taniwha in der darunter liegenden Lagune.

Mit den 27 m hohen Rainbow Falls in Kerikeri erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Reise. Von dort beginnt die Rückfahrt über Whangarei nach Auckland.

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