Auckland

31.03.2015

Für manche beginnt in Auckland eine große Reise, für andere endet sie. Vor einer Woche waren wir in Auckland auf der Durchreise im Nomads Backpackers, einer achstöckigen Massentierhaltung in der Innenstadt, für eine Nacht abgestiegen. Für Dörte mussten wir 4,4km entfernt vom Hostel in einer abgelegenen Wohngegend einen kostenlosen Parkplatz finden, was Bene eine kleine Joggingrunde durch das nächtlichen Auckland bescherte.

Für die letzten drei Nächte sind wir in der Newton Lodge abgestiegen. Die Parkplatznot umgehen wir, indem die ungeliebte, aber zuverlässige Dörte schon am Vorabend des Abgabetermins vor dem Zaun des Jucy Büros abgestellt und der Schlüssel in ein Rohr geschmissen wird. Beim Zurücklaufen stellt sich schnell heraus, mit welchen Waren und Dienstleistungen das "Weiße Haus" und der Gentlemen's Club in unmittelbarer Nähe zu unserem Hostel handeln.
Küche und Kühlschränke im Hostel sind vollgestopft mit Essenstüten. Zur vorherigen Nacht in der lieblichen Little Earth Lodge lässt sich kein Vergleich ziehen, aber immerhin ist es halbwegs sauber und im Gegensatz zu fast allen anderem Hostels in Auckland gibt es gratis Wifi.

Mit 1,4 Mio. Einwohnern beherbergt der Ballungsraum rundum Auckland etwa ein Drittel der neuseeländischen Bevölkerung. Das Stadtbild prägen die geschützte Lage an einer Meeresbucht und die 48 Hügel vulkanischen Ursprungs.

Auf dem Gipfel des Mount Eden ist der tiefe, grasbewachsene Krater des inzwischen inaktiven Vulkans unverkennbar zu sehen. Von der höchsten natürlichen Erhebung Aucklands versprechen wir uns einen guten Blick auf die Skyline. Zweimal erklimmen wir zum Sonnenaufgang den Gipfel. Beim ersten Versuch zieht gerade zur richtigen Zeit eine auch vom norwegischen Wetterdienst unerwartete Schlechtwetterfront auf. Prasselnder Dauerregen verringert die Sichtweite auf unter 100 Metern. Das Unwetter hält den ganzen Vormittag an.

Als es gegen Mittag aufklart, schlendern wir durch den Stadtteil Ponsonby mit seiner Vielfalt an Boutiquen und Restaurants, beobachten am Hafen die kleinen Segelboote und landen schließlich an der Queens Wharf. Über Nacht hat sich Auckland in eine Marathon-Metropole verwandelt. Durch die abgezäunten Straßen zischen Rennradfahrer unterschiedlichster Nationalitäten mit atemberaubender Geschwindigkeit. An jeder Kreuzung findet man eine Filmkamera mit Objektivdurchmesser in der Größe eines Fußballs. Fans jubeln und trommeln entlang der Straßen und ein Helikopter sorgt für detaillierte Aufnahmen aus der Luft.

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Mit der Fähre setzen wir am Abend von Queens Wharf nach Devonport über, einem Vorort von Auckland. Vom Gipfel des dort gelegenen Mount Victoria wollen wir nach dem misslungenen Versuch am Morgen die Skyline im Sonnenuntergang ablichten. Es beginnt wieder zu regnen, sodass wir in den Resten einer Bunkeranlage Zuflucht suchen müssen. Allerdings zieht die schlechte Witterung diesmal schnell ab und wir bekommen für ein paar Minuten bestes Abendlicht. Neuseeländische Sonnenauf- und -untergänge sind immer etwas besonderes.

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So besonders, dass wir am nächsten Morgen wieder vor der Sonne auf dem Mount Eden stehen. Diesmal haben wir mehr Glück als am Vortag und dürfen den großen Sonnenball betrachten, wie er sich langsam vom Horizont über den Cromwell Park erhebt und die Skyline seitlich in helles Licht taucht. Auch wenn kein Tropfen Regen auszumachen ist, spannt sich ein großer Regenbogen über den Westen Aucklands.

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Im Auckland Domain Park stoßen wir auf einen beeindruckenden Baum, der seine Wurzeln in alle Richtungen streckt.

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Neben dem Auckland Museum befindet sich ein für die Allgemeinheit kostenlos zugänglicher Wintergarten. Die großen Seerosen und kleinen Chilischoten eignen sich hervorragend zum Fotografieren.

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An unserem letzten Abend verabreden wir uns mit Sven, den wir an den Moeraki Boulders getroffen hatten, zur Mutprobe am Skytower. Wer wagt den Skyjump aus 328 m Höhe? Letztendlich ist dann doch jeder mit seiner Kamera ausreichend beschäftigt, um dem atemberaubenden Wagnis zu entgehen.
Sven arbeitet in Auckland an seiner Doktorarbeit und hat sich auch fotografisch viel vorgenommen. Wir dürfen seinen Verlaufsfilter ausprobieren und können kaum glauben, wie wir ohne dieses nützliche Werkzeug auskommen konnten. Der Verlaufsfilter findet besonders bei Sonnenauf- und -untergängen Einsatz, um den Himmel abzudunkeln und eine ausgewogene Belichtung zu erreichen.

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Für die anderen Besucher muss unser Aufenthalt Unterhaltung und Ärgernis zu gleich sein. Mit den Stativen blockieren wir die besten Positionen. Die Kamera des einen nimmt sekündlich Intervallaufnahmen auf. Das regelmäßige Klappen des Spiegels einer Kamera mag sich ungewollterweise wie das Ticken einer Bombe anhören. Ein anderer versucht für 30 Sekunden auf den Zehespitzen stehend die Lichtstrahler an der Decke abzudecken, um Reflexionen in der Scheibe zu vermeiden.

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Als die Mägen schließlich zu knurren beginnen, verlassen wir den Skytower auf die unaufregende Weise mit dem Aufzuf und beschließen den netten Abend in einem kleinen indischen Restaurant in der Queen Street.

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Der nächste Tag steht voll im Abzeichen der Abreise. Bis wir alle über die fünf Wochen verteilten und umsortierten Gegenstände wieder in den zwei Koffern untergebracht, Kühltruhe und unsere Kochutensilien im Hostel verschenkt und ausgecheckt haben, reicht die restliche Zeit nur noch für einen kleinen Ausflug um den Block. Immerhin findet sich in einem der Läden ein Plätzchenausstecher in Kiwi-Form. Ein nettes Andenken, dass uns zur Weihnachtszeit an die wunderbaren Wochen in Neuseeland erinnern wird.

Jetzt wo der Sommer langsam zu Ende geht, stellen wir uns auf den Herbst ein. Noch ist unvorstellbar, in 28 Stunden nach einem Zwischenstopp in Melbourne und Dubai im kalten Deutschland stattdessen auf den Frühling zu warten.

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